Wie viel darf mein Kunstwerk kosten? Wie berechne ich einen angemessenen Preis dafür? Das Thema Preisgestaltung bereitet so manch einem Künstler Kopfzerbrechen. Vielleicht hast du das Gefühl, dass deine Bilder total günstig sind und fragst dich, wie es anderen gelingt, Ihre Kunstwerke so teuer zu verkaufen. Oder vielleicht hast du das Gefühl zu teuer zu sein und glaubst, dass das der Grund ist, warum niemand deine Bilder oder Skulpturen kauft?

In diesem Artikel erfährst du:

  • Welche Möglichkeiten es gibt, den Preis zu berechnen
  • Welche Faktoren den Preis beeinflussen
  • Warum du deine Preise steigern solltest
  • Warum du deine Preise bekannt geben solltest

Verkaufspreise berechnen: Was ist mein Gemälde wert? 

Die richtigen Preise für deine Kunstwerke zu finden ist keine leichte Aufgabe, weil hier viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Grundsätzlich sollte es dein Ziel sein, deine Personenmarke immer bekannter zu machen und deine Preise – gemessen an deiner Bekanntheit, deinen Verkäufen, deinen Ausstellungen, der steigenden Nachfrage, deinen Erwähnungen in der Presse und auf Blogs und all diesen Dingen – immer weiter zu erhöhen. Egal, welche Art von Kunst du machst – arbeite darauf hin, in einen hochpreisigen Sektor aufzusteigen.

Wenn du noch gaaaanz am Anfang stehst, und noch (fast) keine Bilder verkauft hast, setze deine Preise jedenfalls so an, dass die Materialkosten gedeckt sind und addiere deinen Stundensatz. Je größer das Bild – umso teurer. Gib dir selbst einen Stundensatz, der deiner Erfahrung, Entwicklung und deinem Können entspricht. Dann kommt es natürlich auch darauf an, wie aufwendig deine Technik ist. Wenn du selbst das Gefühl hast, dich noch auszuprobieren und deinen Stil erst finden musst, gib dir einen eher niedrigen Stundensatz (z.B. € 30). Wenn du dir schon sehr sicher bist, in dem was du machst, und schon jahrelang an deiner Technik feilst, gib dir einen hohen Stundensatz (z. B. 120 Euro). Ebenfalls zu bedenken ist der Künstlerfaktor der von 3-10 – je nach Bekanntheit – entsprechend niedrig oder hoch sein kann. Wenn du schon mehrere Ausstellungen hattest (unter anderem in Museen), immer wieder in der Presse warst, online präsent bist und dir in deiner Nische einen Namen gemacht hast, könntest du getrost die Zahl 10 als Künstlerfaktor nehmen. Wenn das alles nicht der Fall ist, fange bei 3-5 an.

Kunstpreise berechnen

Bei einem Bild, an dem du fünf Stunden gearbeitet hast, würde die Rechnung bei einem etablierten Künstler so aussehen:

Materialkosten € 80

+ Stundenanzahl x Stundensatz = 5 x € 120

x Künstlerfaktor = 10

= Preis: € 6.800

Bei einem/einer weniger bekannten Künstler:in würde die Rechnung so aussehen: 

Materialkosten € 80

+ Stundenanzahl x Stundensatz = 5 x € 30

x Künstlerfaktor = 3

= Preis: 690

Das ist nur eine mögliche Herangehensweise, die Preise deiner Kunstwerke zu berechnen. Natürlich kannst du dich auch mit Künstlern aus deinem Bereich vergleichen, und dann nach Gefühl die Preise festsetzen.

Vielleicht hast du auch schon mal von solch dubiosen Verkaufsstrategien gehört, wo dir geraten wird, deine Bilder für 0 Euro bei E-Bay anzubieten. Davon würde ich dir allerdings abraten. Jeder, der in der Kreativbranche tätig ist, weiß, wie viel Hirnschmalz und Kreativität in jedem Kunstwerk steckt. Darüber hinaus, empfinde ich solche Strategien als Geringschätzung unserer künstlerischen Tätigkeit. Genau wie beim Texten macht es auch beim Malen, Zeichnen und Illustrieren einen Unterschied ob du 3, 5 oder 10 Stunden an einem Werk gearbeitet hast. 

Eine gute Möglichkeit, um auszutesten, wie viel du für deine Bilder verlangen kannst, ist, diese an einem Ort zu verkaufen, wo du deine Zielkunden triffst. Das ist in der Regel nicht der Straßenmarkt. Wenn dich ein Interessent fragt, wie viel ein Bild kostet, und dieser jemand bereit ist, dafür 690 Euro zu zahlen, dann hast du die Bestätigung, dass dein Preis angemessen ist bzw. solltest du dir Gedanken über eine Preiserhöhung machen (erst beim nächsten Event versteht sich). Wenn der/die Interessent:in um eine Preisreduktion fragt, oder deine Preise zu teuer findet, dann ist es eben so. Du solltest dich von so einer Aussage nicht sofort beirren oder einschüchtern lassen. Wenn dir das öfter passiert, bist du vielleicht tatsächlich zu teuer. Vielleicht hast du ein wunderschönes Bild in einem wenig hochwertigen Rahmen? Hier solltest du auch immer wieder neue Wege und Möglichkeiten testen. In den allermeisten Fällen ist es nicht der Preis warum ein Kauf nicht zustande kommt. Denn dann war sie oder er vielleicht auch nicht die Person, die du ansprechen möchtest bzw. die Person, die von deinen Bildern so berührt oder fasziniert ist, dass sie bereit ist, einen angemessenen Preis für deine hochwertige Arbeit zu zahlen. Der Vergleich mit anderen Bildern mit ähnlicher Technik, Größe und Material gibt dir zusätzliche Sicherheit, ob du dich mit deinen Preisen in einem angemessenen Rahmen bewegst.

Wie entstehen die Preise in der Kunst?

Vielleicht ist es dir auch schon mal passiert, dass du das Bild eines Künstlers in einer Galerie für 10.000 Euro gesehen hast und im Kunstsupermarkt oder im Internet über ein ähnliches Werk gestolpert bist für 500 Euro – subjektiv betrachtet, versteht sich. Du siehst also das Thema Preisgestaltung und Kunst ist alles andere als logisch. Wenn du dann allerdings einen Blick hinter die Kulissen wirfst und die Reputation der beiden Künstler vergleichst, wird dir schnell klar, was los ist. Jener Künstler im hochpreisigen Sektor hat sich einen Namen in seiner Nische erarbeitet. Sein Künstlerfaktor ist deutlich höher als jener des blutigen Anfängers. Wie er das geschafft hat, ist unwesentlich – da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Aber er ist jedenfalls der Künstler, der einem einfällt, wenn man an ein bestimmtes Motiv denkt. Wenn ich z.B. zu dir sage, denk an eine Seerosen-Serie – hast du sofort eine Assoziation mit Monets Seerosen – alles was danach kam, war bedeutungslos. Das ist auch in der Musik so. Alles was nach Beethoven kam, blieb unbeachtet, weil er so herausragend war.

Wie beeinflusse ich die Preisentwicklung meiner Kunst?

Wenn es nicht dein Ziel ist, deine Kunst an Super-Reiche zu verkaufen, ist das völlig O.K. Ich kenne viele Künstler, die ihre Kunst im niedrigpreisigen Sektor verkaufen und gut davon leben. Dir sollte allerdings bewusst sein, dass du dann sehr viel von deinen Kunstwerken produzieren und verkaufen musst, damit dir die Rechnung am Monatsende aufgeht. Aber es ist natürlich deine Entscheidung, an wen du verkaufen möchtest. In Bezug auf den Markt spielt auch deine Entwicklung als Künstler:in eine Rolle. Wenn du deine Technik nach und nach verbesserst und dich zu einem Experten auf deinem Gebiet hocharbeitest, wird es dir eher gelingen einen Markt zu dominieren und deine Preise zu steigern, als wenn du immer auf dem gleichen Level bleibst, nicht viel ausprobierst und damit eher im Mittelmaß bleibst. Um im hochpreisigen Markt erfolgreich Kunst zu verkaufen, musst du Persönlichkeit in deine Bilder legen, einen eigenen, noch nie dagewesenen Stil kreieren und richtig richtig gut sein in dem was du machst. 

Preise zeitgenössischer Kunst: Welche Rolle spielt der Markt?

Für welchen Markt du dich auch entscheidest, wichtig ist, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein um DEINE Traumkunden anzusprechen. Wenn du Kunstpostkarten oder kleine Bilder für 10-20 Euro verkaufst, hast du auf einem Flohmarkt durchaus gute Chancen, diese zu verkaufen. Mit einem großformatigen Bild auf Leinwand für 12.000 Euro bist du in einem Nobel-Restaurant oder beim Juwelier definitiv besser aufgehoben. Dort tummelt sich das Publikum, das du dir wünscht. Nur in einem ansprechenden Ambiente kann ein hochpreisiges Kunstwerk seine ganze Strahlkraft entfalten und auf den Betrachter eine entsprechende Wirkung ausüben. Du solltest dich daher möglichst früh auf eine Nische und einen Markt festlegen, um strategisch auf deine Ziele hinzuarbeiten. 

Preise auf der Website – ja oder nein? 

Lege Preise für deine Werke fest und bleib dabei. Du wirst deine Bilder nicht sofort verkaufen – Online Marketing braucht Zeit. Lege einen Preis fest, der sich aus den bereits genannten Kriterien zusammensetzt und bleib standhaft. Gehe nicht runter mit dem Preis (!!!), auch wenn du nichts verkaufst. Wichtig ist, dass du deine anfängliche Preisstruktur beibehältst, um deine Kunden nicht zu verwirren. Erhöhen kannst du deine Preise jederzeit. Eine Preisreduktion ist in der Kunst allerdings nicht üblich und zeugt von Unsicherheit. Wenn du mit einer Galerie zusammenarbeitest sollte die Frage des Preises auf jeden Fall geklärt sein. Du kannst nicht dem einen Kunden mehr und dem anderen weniger verrechnen, das wäre unprofessionell. 

Erstelle einen Online Shop auf deiner Website, wo interessierte Kund:innen deine Bilder direkt bestellen können. Mit Website-Anbietern wie WordPress, Shutterstock oder auch Jimdo kann man ganz leicht eine professionelle Website inklusive Online Shop erstellen. Zu jedem Produkt wird auch der Preis angegeben. So zeigst du, dass du eine professionelle Künstler:in und Unternehmer:in bist und eine transparente Preisstruktur hast. Im Verkaufsgespräch ist es natürlich ebenso wichtig, wie auf deiner Website, dass du deine Preise klar kommunizierst und selbstbewusst nennst. Unsicherheiten spürt dein Gegenüber schnell, was häufig zu einem negativen Verkaufserlebnis auf beiden Seiten führt. 

Wann lohnt es sich, Bilder zu verschenken? 

Bevor du eines deiner Bilder verschenkst, solltest du dir sehr genau ansehen, welchen Mehrwert DU davon trägst. Es spricht nichts dagegen, einmal im Jahr ein Bild für eine Charity zu sponsern und damit Menschen in Not zu helfen, aber es sollte nicht zur Gewohnheit werden, dass du deine Bilder verschenkst. Gerade bei Freunden und Familie ist man häufig dazu verleitet ein Bild herzuschenken, weil es dem anderen so gut gefällt, aber auch das kann dazu führen, dass deine Kunst an Wert verliert. Also der Mutter einer Bekannten deiner Freundin kannst du schon mal einen 10 % Rabatt anbieten. Besonders am Anfang der Selbstständigkeit ist man froh über jeden Auftrag und jeden Verkauf – das weiß ich selbst noch ganz genau, aber trotzdem musst du anfangen, deiner Kunst den Wert zu geben, den sie verdient. Zudem musst du mehr an dich und deine Entwicklung als Künstler:in denken. Was bringt es dir, wenn du dieser Frau ein Bild schenkst? Auch wenn sie sich sehr dankbar zeigt? Davon kannst du deine Miete nicht bezahlen. Zudem hast du nicht viel davon, wenn das Bild dann bei ihr in der Küche hängt und von kaum jemandem gesehen wird. 

Kooperationen – nur wenn es sich wirklich auszahlt

Eine andere Situation ist es, wenn der Bekannte eines Freundes eine große Anwaltskanzlei hat, wo täglich mehrere potenzielle Kunden dein Bild sehen. Dann lohnt es sich durchaus, ein Bild zu verleihen oder zu einem günstigeren Preis anzubieten, das musst du dann selbst aushandeln. Bei Kooperationsanfragen solltest du IMMER sehr genau hinsehen, wer die Person ist und ob ihr eine ähnliche Zielgruppe habt. Wenn du beispielsweise fantasievolle Bilder für Kinder zeichnest, könnte dir eine Kooperation mit einer Mama-Bloggerin mit geringer Reichweite sehr viel mehr bringen als eine Kooperation mit einer bekannten Influencerin mit Tausenden von Followern. Die Qualität der Leserschaft ist entscheidend. 

Mein Tipp: Bilder nur günstig anbieten oder gar verschenken, wenn die Person ein Multiplikator für dich sein könnte. 

Die eigene Kunst vermieten als Alternative

Beim Thema Kunst vermieten, spielt der Werbeeffekt eine große Rolle. Für Unternehmen, beispielsweise eine Anwaltskanzlei, oder eine Arztpraxis, wo viel Kundenkontakt ist, lohnt es sich, deine Kunst zu vermieten. Vergiss nicht deinen Namen und den Preis des Werkes auf einem kleinen Kärtchen mitzuliefern. Der Vorteil für Unternehmen: Sie können den Mietpreis der Kunstwerke zu 100 % absetzen. Wenn der/die Künstler:in nach wenigen Monaten die Bilder abholen möchte, wird der Kunde oft wehmütig. Deine tollen Bilder wieder herzugeben, fällt ihm bestimmt nicht leicht, und es ist wahrscheinlich, dass er mindestens eines deiner Bilder kauft. Viele Künstler bieten die Möglichkeit, bei einem Kauf, den Mietpreis anzurechnen. Das bietet einen zusätzlichen Anreiz – Kunstleasing nennt man das dann. 

Wie ist es dir gelungen, angemessene Preise für deine Kunst zu finden? Da hast du bestimmt schon einiges erlebt. Ich freue mich über deine Story in den Kommentaren!

Oder vielleicht kämpfst du noch damit, deine richtigen Preise zu finden? Viele Infos und wertvolles Feedback erhältst du in meiner Marketing-Challenge für Künstler:innen. Hier kannst du dich schon mal für den nächsten Durchgang eintragen.

2 Comments

  1. Dorothea Winter

    Vielen Dank für die wichtigen Informationen! Wenn die Website einen integrierten Onlineshop hat, gilt das nicht wie ein richtiger Shop und man muß Gewerbesteuer anmelden? Liebe Grüße,Doro

  2. InternationalART

    Liebe Doro, bei uns in Österreich ist es folgendermaßen: sobald du regelmäßig Kunstwerke verkaufst und das nicht mehr unter Liebhaberei fällt, solltest du ein Gewerbe anmelden, unabhängig davon ob du deine Bilder über einen Online Shop, eine Plattform oder eine Galerie verkaufst. Das WIE spielt hier weniger eine Rolle als das, WIE VIEL. Die Gewerbeanmeldung ist ganz easy und kostete auch nicht sooo viel.

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