Lange Zeit spielten Frauen in der Kunst keine Rolle, was den patriarchalen Strukturen zuzuschreiben ist. Frauen waren für die Hausarbeit zuständig. Das Malen war den Herren vorbehalten. Das galt vor allem für die Portraitmalerei. Erst Ende der 1950er Jahre war es Bildenden Künstlerinnen erlaubt, männliche Darstellungen abzubilden. Die Frage, warum auf den meisten kunsthistorischen Gemälden Frauen zu sehen sind (häufig nackt), ist somit schnell beantwortet.

Georg Baselitz behauptet immer wieder, Frauen können nicht malen. Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz oder Agnes Martin beweisen das Gegenteil. Und doch sind Frauen nach wie vor die schlechteren Verdienerinnen auf dem Kunstmarkt. Heute wissen wir, dass Frauen keinesfalls schlechter malten als Männer, sondern den Frauen durch die Verwehrung des Bildungszuganges die Praxis fehlte.

Frauen in der Malerei: Heilige oder Hure

Sowohl Männer als auch Frauen ließen sich malen, häufig so, wie sie sich gerne sehen wollten, oder wie sie der Maler durch seine Augen gesehen hat. Die heilige Gottesmutter Maria wurde am häufigsten abgebildet, was damit zu tun hat, dass die Kirche häufig Auftraggeber von Malereien war.

Frauen in sexualisierter Darstellung, als „femme fatal”, kamen bei den „Großen Meistern“ häufig vor. Zu einer Zeit, wo es keine Zeitung, keinen Fernseher und kein Internet gab, waren Frauen in lasziven Posen für die Männerwelt interessant. In den berühmten Darstellung der Venus kommen Erotik und Begierde zum Ausdruck.

Venus & Adonis
Gemälde: Venus & Adonis (Peter Paul Rubens)

In der Ausstellung „The Shape of Time“ im Kunsthistorischen Museum Wien wurde das Verhältnis zwischen Künstler und Modell untersucht. Dabei wurde ein Ölgemälde von Peter Paul Rubens einem Porträt von Maria Lassnig gegenübergestellt. Die Kontraste sind deutlich. Das beschönigende Bild von Rubens Geliebter steht in totalem Kontrast zur ehrlichen Darstellung der selbstbewussten Frau von Maria Lassnig.

Sammlerin Ingvild Goetz ist der Meinung, Frauen seien viel mutiger, was den Umgang mit ihrem Körper angeht, als Männer: „Es ist vielleicht eine Art Ermächtigung, von der traditionellen Rolle als Muse und Modell wegzukommen und selbst zu entscheiden, auf welche Weise sie sich und ihren Körper präsentieren.“ (Parnass Magazin, 03/2018)

Gibt es den weiblichen Blick in der Kunst?

Wenn Frauen Frauen malen, ist das Ergebnis ein anderes als wenn Männer Frauen malen. Stimmt diese Behauptung? Das Schweinfurter Museum beschäftigte sich in der Ausstellung „Malen Frauen anders?“ mit den Fragen rund um die Frauenkunst. Der Blick der Frau ist anders als der Blick eines Mannes. Das wurde klar als Frauen um 1900 mit der Aktmalerei begonnen haben. Die Bilder waren anders als jene der Männer – ehrlicher – es wurde weniger beschönigt. Frauen durften die Akademie zu jener Zeit noch nicht besuchen, aber es enstanden Künstlervereinigungen, wo man sich gegenseitig unterstützte.

Nach wie vor ist die Situation auf dem Kunstmarkt für Frauen nicht unbedingt einfach. Künstlerin und Autorin Florentina Pakosta beschreibt die Situation im Interview mit dem Parnass Magazin (02/2018) wie folgt: „Kunst ist nicht etwas, das vom Himmel fällt. Jemand bestimmt, was Kunst ist und es wird eine Zeit kommen, in der es auch Frauen gibt, die bestimmen was Kunst ist. Wir sind davon noch weit entfernt.“ Pakosta porträtiert die Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau in fotorealistischen Kreidezeichnungen.

Frauenportraits in der modernen Malerei

Auch in der zeitgenössischen Kunst sind Bilder von Frauen sehr beliebt, und Selbstdarstellungen kommen häufig vor. So zeigt Frida Kahlo sehr realistische Darstellungen von sich nach ihrem schweren Unfall. Was sich geändert hat, ist, dass die Frau kein statisches Modell mehr ist. Heute gibt es mehr Künstlerinnen denn je und auch Galerien nehmen vermehrt Frauen in ihr Programm auf.

Frida Kahlo, Artnight Salzburg
Frida Kahlo, Artnight Salzburg

Bilder von starken Frauen im Alltag

Eine interessante Neuentdeckung der Internationalen Kunst ist die deutsche Künstlerin Dorothea Winter. Sie zeigt unterschiedliche Situationen von Frauen im Alltag. Von der konservativen Hausfrau, über das verträumte Mädchen bis hin zur animalischen Gefährtin. Ihre großformatigen Acrylbilder zeigen selbstbewusste und in sich ruhende Persönlichkeiten. Sie hat einen realistischen und sehr markanten Stil entwickelt, der den Betrachter fesselt und im Gedächtnis bleibt.

Dorothea Winter: Frauen im Alltag
Dorothea Winter: Frauen im Alltag

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